Die Indianervölker Lateinamerikas begründen den kulturellen Reichtum des Kontinents. Nach fünf Jahrhunderten der Unterdrückung und Missachtung erkennen die meisten lateinamerikanischen Länder heute die Bedeutung der besonderen indianischen Lebensformen an.

Die Indianer sind zu Staatsbürgern geworden, ohne ihre Traditionen aufzugeben. Sie wollen an den nationalen Entwicklungen teilnehmen und selbst über ihre Zukunft entscheiden.

Sie sind nicht mehr die "Wilden", aber ihr "wildes Denken", mögen wir es auch manchmal als naiv oder irrational betrachten, weist uns darauf hin, dass ohne den Erhalt der Erde, alle anderen Ziele vergebens sind.

Das SEBRA-Team beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Lebensbedingungen der autochtonen Völker. Das Reisen zu den Indianern ist keine einfache und unproblematische Angelegenheit. Der ausländische Besucher kann schnell zum Störfaktor einer kleinen Gemeinschaft werden. Andererseits bietet ein ökölogisch und ethnologisch bewusstes gegenseitiges Kennenlernen den Indianervölkern Entwicklungschancen und dem Besucher eine direkte und unverfälschte Erfahrung mit den Menschen und der Natur, die in solcher Intensität anderswo nicht zu machen ist.

Die Indianer Kolumbiens

Kolumbien hat eine grosse Vielfalt unterschiedlichster Indianerkulturen: 82 Indianervölker sprechen 64 Sprachdialekte, die zu 14 linguistischen Familien gehören. Die Zahl der Indianer wird auf über 600 000 geschätzt.( ca. 2 % der Gesamtbevölkerung).

Die drei grössten Gruppen stellen die Wayúu (ca. 200.000), beheimatet auf der Guajira-Halbinsel, die Paez (ca 100.000), im Südosten des Landes und die Emberá (ca. 50 000 ), die sich über das Pazifik- tiefland (Chocó) verteilen.

Die Wayúu (Kolumbien/Venezuela)

Wayúu-Prinzessinnen in traditioneller Kleidung in Schuhen mit Wolltroddeln

Die Wayúu sind die traditionellen Bewohner der Guajira-Halbinsel. Sie leben von Ziegenherden, dem Wanderfeldbau und der Salzgewinnung. Auch die "Schmuggelwirtschaft" trägt seit kolonialer Zeit zu ihrem Lebensunterhalt bei. Die Regierung aber hat die Einfuhr von billigem venezolanischem Benzin nach Kolumbien unter Strafe gestellt und damit den grenzüberschreitenden Handel kriminalisiert. Bis in unsere Tage gelang es der staatlichen Verwaltung kaum in dem ariden Gebiet mit der dürren Vegetation aus divi-divi Sträuchern und Kakteen Fuss zu fassen. Die Abgelegenheit und Dürre der Guajira sowie die heftige Gegenwehr der Wayúu machten das Land für die spanischen Eroberer zunächst wenig interes- sant und sie verzichteten auf eine eingehende Erkundung. Die Küste war reich an Perlen und die Wayúu tauschten sie gegen Vieh ein.Bis weit in unser Jahrhundert dauerte die Abgeschiedenheit an, so dass noch "Papillon", der auf seiner Flucht von der Teufelsinsel hier strandete, glaubte, das Paradies gefunden zu haben. Besonders angetan war er von der Anmut der Frauen, die grossgewachsen sind und feine Gesichtszüge haben. In ihrer Physiognomie wie auch in der Kleidung gibt es Ähnlichkeiten mit anderen Wüstenvölkern, so dass ein Hauch Arabiens durch das Land weht.

Besucherhinweis: Das Festival der Wayúu findet jedes Jahr im Mai oder Juni in Uribia statt Alle Clans der Wayuú kommen aus der Guajira zusammen und feiern und wettstreiten um die besten Tänzer und die schönsten Frauen.

Die Guambiano (Kolumbien)

Guambiano auf dem Weg zum Markt

Die Guambiano arbeiten gemeinsam auf den Feldern, beim Strassenbau oder bei der Errichtung eines neuen Hauses. Die Männer tragen einen grauen Filzhut, ein oranges Halstuch, knöchelhohe Lederstiefel und eine Ruana in dunklen grau-schwarzen Tönen. Am auffälligsten ist der königsblaue lange Rock, der an einen schottischen Kilt erinnert. Die Farbe Blau entspricht dem Kosmos. Schwarz symbolisiert Mutter Erde.

Besucherhinweis: Silvia ist das Zentrum der Guambiano ein lebendiger Ort, abseits der Carretera Panamericana zwischen Popayán und Cali und mit dem Bus leicht zu erreichen.

Die Emberá (Kolumbien)

Emberákinder im Chocó

Besucherhinweis: Die Emberá-Gemeinschaften leben an den Oberläufen der Flüsse des kolumbiani- schen Pazifikflachlandes.

Ein exzellente Einführung in die Welt der Emberá bietet das Museo Etnográfico Miguel Ángel Builes in Medellín Cra. 81 No 52 B-120, Öffnungszeiten: Di- Fr 8.00-12.00 u. 14.00-17.00

Die Indianer Boliviens

Bolivien ist neben Guatemala das einzige Land in Lateinamerika mit mehrheitlich indianischer Bevölkerung. Insgesamt leben 32 unterschiedliche ethnische Gruppen in Bolivien. Man muss unterscheiden zwischen den Indianern im Hochland und den Tieflandindianern. Die Aymara und Quechua stellen mit über vier Millionen Menschen die Mehrzahl aller Bolivianer. Die Aymara (oder Kolla) leben heute im Andenraum von Bolivien, Peru und Chile, vom Lago Titikaka bis zum Salar de Uyuni.

Die quechuasprechenden Gruppen verteilen sich auf die Täler von Cochabamba, die Minendistrikte östlich von Oruro und den Norden des Departements Potosí.

Die Hochlandindianer sind sesshafte Campesinos, die von der Landwirtschaft leben.

Die zahlreichen Ethnien des Tieflandes sind zusammengenommen nicht mehr als 150 000 Menschen. Zu den grössten Gruppen gehören die Chiquitano mit 46 000, die Guaraní mit 40 000 und die Moxos-Indianer mit 20 000 Angehörigen.

Es gibt auch noch eine Reihe von Klein- und Kleinstvölkern, die weniger als 1000 Menschen haben und in bislang nur schwer zugänglichen Rückzugsgebieten leben.

Die Tarabucos (Bolivien)

Tarabuco mit montera

Die Tarabucos leben in den Provinzen Zudañes, Yamparáes und Tomina, zwischen dem Río Grande im Norden und dem Río Pilcomayo im Süden. Die Region ist durchzogen von interandinen Tälern und Hochebenen.

Die Tarabucos sind die quechuasprechenden Nachfahren der Yampáez und der von den Inka angesiedelten Mitayos. Bekannt im ganzen Land sind sie wegen ihrer traditionellen und phantasievollen Kleidung, wobei besonders die montera ins Auge sticht. Das ist ein Helm aus Kuhleder, bei dem offenkundig die Konquistadoren Modell gestanden haben. Verschiedenste Kopfbedeckungen stehen hoch im Kurs. Der fockollu (anfibio), den die unverheirateten Frauen tragen, sieht aus wie eine Variante des türkischen Fes, während der killa montera (killa luna) der älteren Frauen tibetisch anmutet.

Besucherhinweis: Der Sonntagsmarkt in Tarabuco, 65 Kilometer von Sucre entfernt und leicht mit dem Bus zu erreichen. Die Tarabucos veranstalten jedes Jahr das Phujllay-Fest zum Gedenken an die siegreiche Befreiungsschlacht gegen die Spanier am 12. März 1816 und führen ihren zeremoniellen Kriegstanz (phujllay) auf.

weitere Informationen zu Indianervölkern in Lateinamerika
in den Titeln der "Nah Dran"- Reihe