Die folgenden Treks stellen wir Ihnen hier vor:

Ausführliche Beschreibungen weiterer Trekking-Touren können Sie unserer »Nah Dran«-Reihe zu diesen und weiteren Ländern entnehmen.

Tour durch den Salar de Uyuni (Bolivien)

Die grösste Salzwüste der Anden liegt auf 3660 Meter Höhe und hat eine Ausdehnung von etwa
12 000 km² (die 17-fache Fläche des Bodensees). Der Salar ist gefangen zwischen der West- und Ostkordillere. Die wenigen Flüsse, die von den Bergen kommen, finden keinen Abfluss und versickern im trockenen Klima der Salzwüste. Im Altiplano nimmt die Versalzung entlang der Aquatischen Achse von Norden nach Süden stetig zu.

In der Trockenzeit ist die Salzpfanne von einem Bienenwabenmuster aufgeworfener Salzkristalle überzogen. Während der Regenzeit bildet sich ein schmieriger Wasserfilm auf dem Salar Die starken Temperaturschwankungen von +20 °C am Tage und bis zu -30 °C in der Nacht, der Wind und die Regenfälle von November bis März sorgen dafür, dass sich der Salar de Uyuni ständig verändert.

Die klimatischen Einflüsse schaffen phantastische Formen und Muster auf der Salzoberfläche. Unter der Salzoberfläche verlaufen Wasserströme, die an manchen Stellen nach oben dringen und an der Luft zu Phantasiegebilden verkrusten oder die "ojos del salar", die Salzaugen, formen.

Die Salar-Tour
Die Tour durch den Salar ist schwierig auf eigene Faust durchzuführen. Die einfachste und preis- günstigste Möglichkeit bietet eine organisierte Geländewagentour mit dem Ausgangspunkt Uyuni auf 3670 Meter Höhe.

Uyuni erinnert an eine sibirische Arbeitersiedlung. Die Stadtgründung fiel mit dem Bau der Eisenbahn- linie 1889 zusammen, die der damalige Präsident Aniceto Arce angeregt hatte. Uyuni wurde zum Eisenbahnerzentrum des Landes und beschäftigte in den 60er Jahren 1000 Arbeiter in den Wartungshallen Die Region gehört heute zu den unterentwickelten des Landes. Mit den Touristen, die jeden Nachmittag per Bus eintreffen, kommt Bewegung in den Ort. Die Reiseagenturen öffnen ihre Pforten, und die Restaurants werfen die Gasheizer an. Nach dem Essen verschwinden alle Besucher um 21.30 in die Betten. Die Stille der eisigen Nächte wird nur vom Pfeifen der Züge und dem stündlichen Schlagen des Glockenturms durchbrochen.

Die beste Zeit zum Besuch des Salars ist von Juli-Oktober.

Die viertägige Route, die den Salar de Uyuni, die Laguna Colorada, Sol de Mañana und die Laguna Verde einschliesst, kostet US$ 450, verteilt auf 6-7 Personen.

Es gibt fast 20 Agenturen, die um die Gunst der Kunden buhlen, einige davon sind Eintagsfliegen.

Gefahren wird mit 4x4 Toyotas mit drei Dreierreihen (Vagonetas). In der ersten Reihe sitzen Fahrer, Köchin und eventuell noch ein Tourist. Die übrigen Touristen verteilen sich auf die beiden anderen Sitzreihen. Das Gepäck wird auf dem Dach verstaut. Die Fahrer schlagen sich mit einer Musikkassette, Peña oder Blasmusik, durch den Salar. Das zerrt nach einiger Zeit an den Nerven der Mitreisenden. Hier hilft nur den Fahrer mit vorgehaltener Kassette zum Wechsel aufzufordern. Musikkassetten mit westlichen Klängen verkauft Nicolás in seinem Laden beim Uhrenturm (AC/DC bis ZZ Top zu US$ 3).

Zumeist sind mehrere vollbepackte Toyotas der unterschiedlichen Agenturen unterwegs. Jeder Fahrer möchte bei der Salar Trophy vorne liegen, und es kann zu staubigen Überholmanövern im Stil von Paris - Dakar kommen.

1. Tag
- Salar de Uyuni, besucht werden Montones de Sal, Bloques de Sal, Ojos de Sal (verschiedene Salzformationen und Gebilde), das Salzhotel, Isla de Pescado und San Juan -

Aufbruch in Uyuni gegen 10.30. Nach einer ½ Stunde wird Colchani, an der Einfahrt in den Solar erreicht.

Colchani ist das Zentrum der Salzgewinnung. Die Salz- arbeiter aus Colchani tragen Sonnenbrillen, um sich vor dem gleissenden Sonnenlicht zu schützen. Die Arbeiter schlagen Salzblöcke, panes de sal, aus dem Salar und schnitzen Figuren aus Salz, die sogar bis nach Brasilien exportiert werden. Lkws kreuzen wie Schiffe auf der Weite des Salars. Die Felseninsel am Eingang in den Salar hat die Form eines schwimmenden Krokodils.

Knirschend drehen sich die Räder der Jeeps auf der Salzoberfläche. Zwischenstopp ist beim Salzhotel. Das Haus ist komplett aus Salzsteinen gebaut, die wie Ytong-Bausteine aussehen, einschliesslich der Stühle, Tische und Betten. Nur das Dach ist mit Pajagras gedeckt. Dann geht es weiter über die unendlich scheinende weisse Salzwüste.

Der Höhepunkt des ersten Tages ist der Besuch der Isla de Pescado, eine felsige Insel mit Riesen- kakteen, die einen reizvollen Kontrast zum Salar bildet. Ein Weg führt um das Inselchen und ein Pfad auf die Spitze, auf der sich ein Felsbogen befindet.

Dann verlässt man den Salar, an der Strasse bleibt das Dorf Chuvica rechts liegen, und man erreicht Colcha K, einen Militärposten des 27. Infanterieregimentes, bekannt auch unter dem Namen 'Anto- fagasta'. Der nächste Ort heisst Mañica (mit dem Alojamiento Mañica, US$ 3 p.P.). Nach weiteren 32 Kilometern kommt man nach San Juan.

San Juan ist ein typisches Dorf dieser Region. Flache unverputzte Adobehütten reihen sich an schnurgeraden staubigen Strassen. Die Dächer sind mit Wildgras gedeckt, aus denen ein Ofenrohr ragt. Auf die Giebel ist ein kleines Holzkreuz gesteckt. Andere Bewohner haben ein Stiergehörn auf dem Dach befestigt, um die bösen Geister fernzuhalten.

Einen Blick verdient die erdfarbene Friedhofskapelle. In der Ferne erhebt sich der kegelförmige schneebedeckte Ollagüe, der Grenzberg zwischen Bolivien und Chile. Die Einheimischen nennen ihn auch Santa Rosa, nach der Cooperativa, die dort arbeitet.

2. Tag
- Besuch der Lagunen Cañapa, Hedionda, Honda und Colorada -

Man fährt durch ein weites Tal und passiert die Bahnlinie Uyuni-Ollagüe. Ein herrliches Bergpanorama bestimmt die Fahrt in den nächsten Stunden, dominiert vom Vulkan Ollagüe, eingerahmt vom Chiguana und Chiascos im Osten. Die Fahrt geht am Fusse des Tomasamil vorbei. Der Boden ist bedeckt mit ausgebleichten yareta-Moosen, die wie aufgeworfene Maulwurfshügel aussehen. In den Hütten wird mit getrockneter yareta geheizt. Am Bahnübergang liegt das aufgegebene Dorf Chiguana, heute ein Militärposten mit Unterständen in Igluform, bemalt in Tarnfarben.

Die Strasse führt zum Hochplateau durch ein Meer aus flachen tola-Büschen, gefolgt von Wildgräsern. In den Höhen über 4000 Metern verschwindet die Vegetation an vielen Stellen ganz, und die Landschaft wird zur Geröllwüste. Von oben (mirador) ist ein guter Blick auf die Seitenflanke des Ollagüevulkans möglich, von dessen Gipfel Schwefeldämpfe aufsteigen.

Auf dem Hochplateau liegen fünf Lagunen, jeweils getrennt durch eine Bergkuppe, hintereinander. Laguna Cañapa - Laguna Hedionda - Laguna Charcota - Laguna Honda - Laguna Ramaditas.

Die Strasse steigt erneut an. Im Osten taucht eine schneebedeckte Dreierbergkette des Pastos Grandes Massivs auf. Ein Geröllfeld wird passiert, deren Anhöhe Paso de Inka genannt wird, der Inkaherrscher soll diesen Weg nach Antofagasta eingeschlagen haben. Es schliesst sich die Pampa Siloli an, in der weder Pflanzen noch Tiere gedeihen. Im Osten sticht der Cerro de Siete Colores, der Sieben-Farben Berg, mit den sieben verschiedenen Rot- und Brauntönen ins Auge. Plötzlich steht man vor einer Gruppe hingeworfener Felsen in der Wüste, die der Wind phantastisch verformt hat. Der zentrale Felsen erinnert an einen sturmgepeitschten Baum (Arbol de Piedra).

Nach einer Stunde wird die Laguna Colorada auf 4280 Metern erreicht. Um die flache Lagune (60 km²) führt ein Rundweg. Das Wasser der Lagune wechselt seine Farbe je nach dem Sonnenstand von Lachsrot, Blutrot, Karminrot bis hin zu Dunkelviolett bei Sonnenuntergang. Die Photo- synthese der Algen in der Lagune läuft in unterschiedlicher Geschwindigkeit ab und bewirkt den Farbwechsel. Die herausragenden Bewohner der Lagune sind drei Flamingo- arten. An der Lagune sind Kolonien von Viscachas zu Hause.

An der Lagune Colorada befindet sich die Parkverwaltung der Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa. Es gibt ein Campamento mit Aufenthaltsräumen.

Übernachtet wird in 12er Zimmern mit Stockbetten, US$ 3 p.P.

Nach dem Essen verkaufen die Ranger Stricksocken, Informationsmaterial und ein Vogelbestimmungs- buch, um ihr bescheidenes Salär aufzubessern.

3. Tag
- die Geysiere, Thermalquellen und die Laguna Verde -

Früh um 5.30 geht es los, um die lange Strecke des dritten Tages zu bewältigen.

Bei Tagesanbruch werden die Geysire von Sol de Mañana (5000 m) erreicht. Dramatisch heben sich die dicht hervorquellenden Rauchschwaden, die wie eine Fontäne aufsteigen, gegen die durchbrechenden Sonnenstrahlen ab. Die nationale Elektrizitätsgesellschaft ENDE nutzt die Erdwärme an fünf Quellen und exportiert den Strom nach Chile.

Aus einem Dutzend Erdkratern blubbert Lava, und Fumarole von Schwefelgasen nebeln die Besucher ein.

Nächste Station sind die Thermalbäder in der Laguna Salada. Das Ablegen der Kleidung bei frostigen Temperaturen kostet einige Überwindung. Nach dem Frühstück geht die Fahrt weiter und führt durch eine surrealistisch anmutende Landschaft. Die hingeworfenen Felsen in der Wüste haben ihr den Namen Valle del Dalí eingebracht.

Gegen 11.00 wird der Endpunkt der Tour, die Laguna Verde (4400 m), erreicht. Die Grünfärbung des Sees ist auf kupferhaltige Bestandteile zurückzuführen. Um die Mittagszeit reisst die Eisdecke an manchen Tagen innerhalb von 20 Minuten komplett auf, und man hat das Glück, eine smaragdgrüne Fläche zu sehen, in der sich der Llicancabur (6000 m) spiegelt.

Der Aufstieg zum Gipfel des Vulkans an der Grenze zu Chile lässt sich in fünf bis sechs Stunden bewerkstelligen. Dort liegt ein grüner Kratersee und archäologische Ruinen. Der Aufstieg gehört nicht zum Tourprogramm. Hierfür muss ein weiterer Tag eingeplant werden.

Wer nach San Pedro de Atacama (Chile) weiterreist, wird mit dem Jeep zum Grenzübergang Hito/Cajón gebracht. Der Micro der Chilenen fährt täglich um 11.00 nach San Pedro de Atacama. Falls der Jeep nach der Abfahrt des Micros eintrifft, muss man bei bitterer Kälte bis zum nächsten Tag ausharren.

Die Rückfahrt zweigt hinter der Laguna Colorada zum Salar de Capina ab. Hier wird Borax gefördert. Dann geht es durch ein Tal bewachsen mit tola- und keñua-Büschen. Im Osten erheben sich die schneebedeckten Gipfel der Cordillera de Lipez. Villamar, ein Dorf, das sich entlang einer Felswand erstreckt, wird passiert. Bei Sonnenuntergang wird das Valle de Rocas erreicht, eine bizarr geformte Felsformation. Endpunkt des dritten Tages ist Villa Alota.

4. Tag
- Rückkehr nach Uyuni über die Laguna Colorada -

Hinter Alota werden viele apachetas passiert. Die Vegetation ist bestimmt von yareta-Moosen. Ständiger Begleiter im Osten ist die Cordillera de Lipez. Das nächste Dorf heisst Colcha K mit einem kolonialen Kirchturm. Eine Stunde später wird die Silbermine Toldos erreicht. An dieser Stelle führt eine Abzweigung nach San Cristóbal, das am Ende eines Cañón liegt.

San Cristóbal ist ein verwunschenes Dorf, das von drei Felsriesen bewacht wird. Die alte Franziskaner- kirche mit den zwei Glockentürmen ist der Mittelpunkt des Dorfes. Die Seitenaltäre und die Kanzel sind aus Lehm geformt worden.Unter der Kalkschicht der Wände sind kolorierte Malereien verborgen. Nur noch einige Gemälde hängen an den Wänden. Nackte Nägel künden davon, dass auch hier Kunsträuber am Werke waren. Den Schlüssel verwahrt Don Benito. Das Eintrittsgeld von US$ 0,30 dient dem Erhalt der Kirche.

Der letzte Stopp vor Ende der Tour ist der Cementerio de los Trenes. Der Zugfriedhof versammelt ein Dutzend verrosteter Loks und demontierter Waggons, die hier auf dem Schrott landeten. Die ausgeweideten Dampfrösser stehen in der Weite der Steppe, deren Horizont nur durch die schneebedeckten Gipfel der Cordillera de Lipez begrenzt ist.

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Ruta Bruce Chatwin

Bruce Chatwin hat in den 1980er Jahren eine neue moderne Form des Reisens und der Reiseliteratur begründet, deren geographischer Ausgangs-punkt in Patagonien liegt. Seine Art zu Reisen ist eine engagierte, aus-gesprochen ernsthafte und zugleich träumerische und idealisierende Hin-wendung zu den Entdeckungsfahrten und Forschungsreisen der Vergangen-heit. Chatwin sucht die märchenhafte Form des Reisens, die geprägt ist von den Sehnsüchten nach Ferne, Entdeckungen, Verwandlungen, Wiederkehr und Neubeginn. Er begibt sich in das Leben und Denken der Klassiker und Romantiker hinein, deshalb haftet seiner Prosa etwas Zeitloses, Unvergäng-liches an. Seine literarische Imaginationskraft hat den Rhythmus des eigenen modernen Nomadenlebens bis zu seinem Tod in Nizza 1989 bestimmt und seinen Nachruhm gemehrt.

Bruce Chatwin
Foto: R. Mapplethorpe

Die Zauberkraft des Autors Bruce Chatwin beruht darin, die angestaubten Reiseklassiker der Mottenkiste entrissen zu haben und ihren Entdeckergeist dem modernen Leser und (Nach-) Reisenden einzupflanzen. Es sind allemal epochale Dokumente wie Pigafettas Reisebeschreibung über Magellans erste Reise um die Welt, Darwins Voyage of the Beagle, W. H. Hudsons Idle days in Patagonia, die Chatwin hervorholte und so glänzend aufpolierte, wie er es in seinem früheren Leben als Direktor des Auktionshauses Sotheby’s mit den Kostbarkeiten der Bildenden Künste getan hatte.

Hotel Residencial Ritz...

"Die Hoteldirektion rühmte sich ihrer blütenweißen Damasttischdecken."

Der Reisende Chatwin war stets mit minimaler Ausrüstung unterwegs. Er folgte keiner vorgefertigten Reiseroute, weder in bezug auf Geographie noch Zeit. Verlangsamung durch Wandern war seine Devise, und jeder, der mit dem Mietwagen durch fremde Länder reist, verspürt, daß bei der motorisierten Art der Fortbewegung nur wenig hängenbleibt, weil die Verweildauer an den einzelnen Orten von der Bewegung des Fahrzeugs bestimmt ist und beim angestrengten Blick auf Rastplätze, Tacho und Tankanzeige, das Wichtigste fast immer übersehen wird, weil es schnell und entrückt hinter der Scheibe am Betrachter vorbeizieht.

Chatwins Reisen wie seinem Schreiben haftet bei allen realen Bezügen etwas Schwebendes an, das jenseits alltäglicher Veränderungen existiert. Das wird oft von vielen seiner Kritiker übersehen, die die Figuren und ihre Lebensläufe von In Patagonien für bare Münze nahmen. Ja, es hat diesen oder jenen von ihm beschrieben Menschen gegeben, aber in Chatwins Geschichten haben sie sich ausnahmslos in literarische Gestalten verwandelt.

"Sie hatten eine Eisenbahnlinie gebaut, damit die Männer zur Arbeit fahren konnten, und als die Fabrik ihre Tore schloß, hatten die Einwohner von Puerto Natales die Lokomotive angemalt und auf der Plaza aufgestellt – ein recht zweifelhaftes Denkmal."

Souverän gelingen Chatwin die lakonischen Naturbeschreibungen, die die Bühne für die vielen außergewöhnlichen Gestalten des äußersten Südens abgeben, die plötzlich auftauchen und ebenso plötzlich wieder verschwinden.

Bruce Chatwin läuft wie Hans im Glück durch die Welt und lauscht dem rauhen Land an ihrem Ende diese außergewöhnlichen Geschichten ab, in der die Vergangenheit Patagoniens, die karge Natur und die Existenz seiner Bewohner mit den persönlichen Eindrücken des Autors leicht und spielerisch ineinandergreifen. Chatwins Patagonien-Reisebuch hat Maßstäbe des Reisens und Schreibens gesetzt. Die Suche nach dem verlorenen Stück Fell wird zur Nebensuche und gerät erst wieder in den Blickpunkt, als Puerto Natales mit der Cueva de Milodón erreicht ist.

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Das Qoyllor Rit ì-Fest

Das herausragende Fest in der gesamten Region um Cusco ist die Prozession hinauf zur Kapelle des Señor de Qoyllor Rit ì.

Das »Schneesternfest« ist eine fünftägige Pilgerreise entlang des Sinakara-Tals, die bis auf den Gletscher des Qolquepunku führt. Jedes Jahr um Fronleichnam, Ende Mai, Anfang Juni, zu der Zeit, wenn das Pleiades-Sternbild am Nachthimmel erscheint, finden Prozessionen und Tänze statt.

Ausgangspunkt ist der kleine Ort Mahuayani (4.200 m) an der Hauptstraße Cusco-Puerto Maldonado, oberhalb von Tinqui. Von Mahuayani sind es zwar nur 8 km (3-4 Std.) bergauf zum Lagerplatz um die Kapelle des Señor de Qoyllor Rit ì (4.600m), der Fußmarsch im Kreise des nicht abreißenden Stroms von Pilgern ist aber anstrengend und zumeist eine trocken-staubige Angelegenheit. Entlang des Weges warten Verkäufer mit Erfrischungsgetränken, Orangenschäler und Garküchen, um die Pilger mit dem Nötigsten zu versorgen.



Señor de Qoyllor Rit ì

Das indianische »Schneesternfest« feiert die Geburt der Sonne und markiert den Beginn eines neuen Jahres. Nach der wundersamen Erscheinung des Gekreuzigten im Jahr 1780 wurde der alte Ritus von der katholischen Kirche okkupiert und zum Ort der Verehrung des Herrn von Qoyllor Ritì geweiht, ohne dass die alten indigenen Vorstellungen und Riten verschwunden sind, die den Berggöttern (apus) huldigen. Mehrere tausend Gläubige aus dem ganzen Land sind tagelang unterwegs und pilgern in Heerscharen das Bergtal hinauf, um die Kapelle zu erreichen. Sie hinterlassen Geschenke und Opfergaben, tanzen und frieren bei eisigen Nachttemperaturen. Die Tanz- und Kostümgruppen stammen aus der Region, aus Arequipa, vom Titikakasee und Puerto Maldonado. Die Menschen stehen Schlange, um der Messe beizuwohnen und von der Virgen de Fatima ihr Glück zu erbitten. Es ist ein riesiges Volksfest mit Gauklern, Wahrsagern und Schamanen. Für ein paar Soles kann man sein Glück versuchen, und den lange begehrten (falschen) Universitätstitel ergattern oder mit bündelweise (Falsch-) Dollar einmal Millionär spielen. Um das karminrot gestrichene Dach der Kapelle scharen sich Hunderte von provisorischen Zelten aus blauer Plastikplane. Um nicht ganz die Ordnung und den Überblick zu verlieren, sind einzelne Sektoren als Lagerplatz für die numerierten Packpferde, ein Verkaufsareal für Devotionalien und den Restaurantbetrieb ausgeschildert.



Tänzer in kolonialer Montur

Höhepunkt der Prozession ist der Aufstieg in die Gletscherregion mit einem Panoramablick ins Tal, die Kapelle, dem Strom der Gläubigen und weiter in Richtung der schneebedeckten Gipfel der Vilcanota Kordillere. Früher war es nur den Ukukus, den in Felle gekleideten »Bärenmenschen« erlaubt, den Gletscher zu betreten, in ritueller Form Eisblöcke abzuschlagen und als Reliquie zu Tal zu bringen. Neben den Bärenmenschen hinterlassen die maskierten Pablitos (oder Pauluchas) mit ihren Peitschen und Pfeifen den stärksten Eindruck.

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Ruta del Che (Bolivien)

Che Guevara (1928-1967)

Che, mit bürgerlichem Namen Ernesto Guevara la Serna, wurde am 14. Juni 1928 im argentinischen Rosario geboren. Er wuchs als das behütete Kind wohlhabender Eltern auf und begann nach Ende der Schulzeit mit dem Medizinstudium in Buenos Aires.

Vor dem Examen machte er 1952 mit Freund und Hund eine Motorradtour durch Südamerika. In Bolivien war gerade die Revolution ausgebrochen. Die Minenarbeiter waren auf die Straße gegangen, und die Großgrundbesitzer enteignet worden.

Das Leben von Ernesto Guevara nahm eine entscheidene Wende. Zwar beendete er noch das Studium, aber sein Interesse galt schon längst nicht mehr den Patienten, sondern der »Revolution«. Als Berufsrevolutionär verließ er Argentinien und ging nach Mexiko in ein Ausbildungslager der Guerrilla. 1955 traf er den jungen Anwalt Fidel Castro. Gemeinsam planten sie, den kubanischen Diktator Batista von der Insel zu jagen. Che Guevara wurde zur charismatischen Figur im Untergrund. Sein Mut trug entscheidend zum Sieg der kubanischen Revolution von 1959 bei.

Während der Pragmatiker Castro seine Energie dem Aufbau eines kommunistischen Staatswesens widmete, langweilte sich Che auf dem Direktorensessel der Banco Nacional de Cuba. Castro bot ihm reihenweise neue Posten an und schickte ihn auf Auslandsreisen zu Mao und Chruschtschow, aber Che war ein Getriebener, der weiterhin von der Weltrevolution träumte. 1965 verließ er Kuba. Nach einem wirren Intermezzo auf dem afrikanischen Kontinent begann sein letzter Einsatz in Bolivien.

Che in Bolivien

Nach den gescheiterten Aktionen im Kongo besann sich Che auf die südamerikanische Heimat und entschloß sich, den antiimperialistischen Befreiungskampf in Bolivien fortzusetzen. In guter Erinnerung hatte er noch die revolutionäre Stimmung aus den Zeiten seiner Motoradtour. Bolivien erschien ihm wie geschaffen für ein neues Vietnam, wo die Amerikaner in ein Desaster schlitterten. Im Oktober 1966 reiste er mit einem ecuadorianischen Paß über Brasilien nach Bolivien ein, wo ihn alte kubanische Mitkämpfer in Empfang nahmen. Die Sierra Maestra Veteranen fuhren mit dem Jeep zur konspirativen Finca in Ñancahuazú am östlichen Ausläufer der Kordilleren, dem Stützpunkt der Guerrilla.

Ende des Jahres hatte Che eine Gruppe von 50 Leuten zusammengezogen, die meisten waren Kubaner und Bolivianer. Aus Begeisterung für die Kubanische Revolution schlossen sich der französische Intellektuelle Regis Debray, der später Präsidentenberater von Mitterrand werden sollte, und die Deutschlehrerin Tania Bunke aus Karl-Marx Stadt an.

Das Aktionsgebiet der Guerrilla lag zwischen dem Río Grande im Osten und der kargen Bergregion mit einer Unzahl von Schluchten im Westen, eine menschenleere Ödnis. Militärische Erfolge stellten sich nicht ein, und bereits nach kurzer Zeit war der kleine Haufen zusammengeschmolzen. Die militärische Unterstützung aus Kuba blieb aus. Castro war mit Realpolitik beschäftigt und konnte sich kein neues Revolutionsabenteuer leisten.

Die Bauern in der Umgebung waren mißtrauisch und argwöhnisch. Präsident Barrientos war bei der ländlichen Bevölkerung nicht unbeliebt. Die PCB, die kommunistische Partei Boliviens, zeigte nur wenig Interesse an den Guerrillaaktivitäten.

Doch Che beendete den aussichtslosen Kampf nicht, sondern irrte weiter durch ein Labyrinth aus Schluchten und Bergen. Bis auf den erfolgreichen Überfall in Samaipata am 6. Juli 1967 stolperten die ausgelaugten und frustrierten Buschkämpfer von einem Fiasko ins nächste. In Vado de Yeso am Río Grande wurde das Kommando unter Che Freund Joaquín am 31. August 1967 regelrecht abgeschlachtet. Auch Tania, die letzte Geliebte des Revolutionärs, wurde getötet.

Zum alles entscheidenden Schußwechsel kam es am 8. Oktober 1967 in der Quebrada del Churo. 100 Soldaten kreisten Che und 16 seiner Mitkämpfer ein. Der Comandante und ‘Willy’ wurden gefangengenommen und in das Bergdorf La Higuera gebracht. In der Schule wurde Che brutal verhört und am folgenden Tag um die Mittagszeit erschossen. Ein Hubschrauber flog die Leiche ins Militärhauptquartier nach Vallegrande. Der gescheiterte Weltrevolutionär wurde im Krankenhaus aufgebahrt. Die Militärführung ließ sich in Siegerpose mit einem toten Che ablichten. Mit seinem verklärten Antlitz erschien er wie der Gekreuzigte in einem Renaissancegemälde von Rafael, was die spätere Idealisierung begünstigte.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1967 verschwand die Leiche aus dem Waschhaus des Hospital Señor del Malta. Die abgeschnittenen Hände Ches gelangten später nach Kuba.
30 Jahre sollten vergehen, bis die Leiche gefunden wurde. Lange war man davon ausgegangen, die sterblichen Überreste seien verbrannt worden. Als der damalige Leiter der Militäraktion General Mario Vargas 1995 erklärte, die Leiche Ches sei unter der Flugpiste von Vallegrande verscharrt worden, ordnete Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada die Suche an, die zunächst von Argentiniern und später von Kubanern durchgeführt wurde und das Dorf Vallegrande noch einmal in das Licht der Weltöffentlichkeit rückte.

Die Suche nach den Überresten Ches blieb fast zwei Jahre lange erfolglos. Erst durch Einsatz eines Radarschlittens stieß das Ausgrabungsteam im Juli 1997 auf ein Sammelgrab. Das Skelett Nr. 2 trug keine Hände – es war Che.

Stationen der Che-Guerrilla

Die Che-Route wird heute als touristische Attraktion von den staatlichen Stellen und Reiseagenturen angepriesen. Die Gesamtroute mißt 800 Kilometer, und es können je nach Bedarf noch einige hundert Kilometer angehängt werden. Dann nämlich, wenn die Fluchtwege der letzten Überlebenden nach dem Tod von Che mithinzugerechnet werden. In Europa wurde die Route von Spöttern daher schon als »längster Waldlehrpfad« tituliert. Wer sich an Ches Fersen heften möchte, kann dies von Santa Cruz oder von Sucre aus tun. Einfacher ist es von Santa Cruz, weil von dieser Seite regelmäßige Verkehrsverbindungen nach Samaipata und Vallegrande bestehen. Hartgesottene Fans werden ihrem Vorbild auch über den Río Grande folgen wollen. Da ist der abenteuerliche Trip von Sucre ideal.
Das ehemalige Trainingslager Ñancahuazú südlich von Santa Cruz ist von der Vegetation bis zur Unkenntlichkeit überwachsen, und es bedarf großer Imaginationskraft, sich die Zeit des Lagerlebens vor das innere Auge zu holen.

Camiri
In Camiri wurde Regis Debray (Guerrillaname ‘Danton’, der spätere Präsidentenberater von François Mitterand) nach seiner Festnahme in Muyupampa am 20. April 1967 von einem Militärtribunal zu 30 Jahren Haft verurteilt. Inhaftiert war er im Casino Militar an der Plaza. Am Ortseingang wohnt der mißtrauische Pantaleon Garzon, der seinen Willy-Jeep Baujahr 52 als ‘historische Reliquie’ bezeichnet. Che soll den Jeep am 28. Mai 1967 als Fluchtfahrzeug beschlagnahmt haben.

Samaipata
Die Guerrilleros nahmen am 6. Juli 1967 Samaipata ein und erbeuteten Waffen und Munition. Es war der einzige Sieg der Che-Guerrilla in Bolivien. Der Revolutionär wertete die Aktion gleichwohl als Fehlschlag, denn es war nicht gelungen, das so dringend von ihm benötigte Asthmamittel aufzutreiben. Das Andenken an Che wird von dem Sympathisanten Guillermo Guiterrez im Artesaníaladen gewahrt.

Vado de Yeso
Die zehnköpfige Gruppe Joaquín geriet am 31. August 1967 am Río Grande in einen Hinterhalt des Militärs. Bis auf einen wurden alle niedergemetzelt, einschließlich der einzigen Frau, Tania Bunke.
Diese Niederlage war der Anfang vom Ende des Che-Abenteuers in Bolivien.

La Higuera
Im alten Schulhaus wurde Che am 9. Oktober 1967 um die Mittagszeit erschossen. Die Schule ist heute der Gesundheitsposten. Davor befindet sich die Plazuela Che.

Die Häuserwände sind mit einem Che-Logo verziert. Die wenigen Bewohner verehren Che wie einen Heiligen. Das war nicht immer so. Beim ersten Auftauchen der Guerrilla, am 26. September 1967, flüchtete die männliche Bevölkerung. Anibal Quiroga, der damalige corregidor, freut sich über Besucher und erzählt seine Version. Nahe der Churo-Schlucht, in der Che am 8. Oktober 1967 gefangen genommen wurde, wohnt die zwergwüchsige Vigilia Cabrita, die täglich zum »Heiligen« Che betet.

Vallegrande
Vallegrande ist der Höhepunkt der Ruta del Che. Die verscharrte Leiche Ches wurde fast 30 Jahre nach seinem Tod im Juli 1997 unter der Flugpiste gefunden. Im Hospital Señor del Malta war der Leichnam vom 9.-11. Oktober 1967 aufgebahrt. Die Fotos, die im Waschhaus entstanden, gingen um die Welt.

Das verklärte Antlitz hat viel zur Entste-
hung des Mythos Che Guevara beigetra-
gen. In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober verschwand die Leiche aus dem Waschhaus. Es war eine bedeckte Nacht mit Nieselregen, in der nur wenige Men- schen den Fuß vor die Tür setzten. Die Wände des Wasch- hauses sind mit Graf-
fiti überzogen. In Vallegrande leben noch einige Zeitzeu- gen. Die Krankenschwes-
ter Susanna Osinaga besorgte die Leichenwäsche.
Die Lehrerin Dora Cardenas hatte Che
noch kurz vor seinem Tode gesprochen.

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